zulassungsprüfung teil 2





Am ersten Tag der Zulassungsprüfung war ich auf der Suche nach der Männertoilette im Erdgeschoss an der Angewandten. Ich hab zwei Toiletten gefunden. Die Erste war als Frauentoilette und die Zweite gar nicht ausgeschildert. Also bin ich auf die Nichtsausgeschilderte Toilette gegangen und treffe dort auf eine Frau. Ich war peinlich berührt und hab mich entschuldigt, dass ich nicht wusste, dass dies die Frauentoilette sei. Die Frau lächelt mich an und meint, dass macht doch nichts, wieso sollte das denn wichtig sein. Männer und Frauen sind doch gleich, wieso sollte man dann bei dem Toilettengang unterscheiden.
Ich war sehr beeindruckt von der Aussage der Frau und das Problem Geschlechterbilder ist an mir hängen geblieben. Darum habe ich mich entschieden das Thema zu bearbeiten.

Das Geschlechterbild von Frau und Mann sind in unserer Gesellschaft sehr stark verankert. In der Werbung ist dies eindeutig zu erkennen. Große Firmen engagieren Models und lassen sie vor der Kamera posieren. Egal ob bei Mann oder Frau – Nacktheit und Sexappeal verkaufen sich gut. Konzerne formen die Frauen und Männer so, dass sie das Produkt gut verkaufen. Im ersten Augenblick erkennt man in der Angelegenheit kein Unterschied zwischen Mann und Frau. Beide sitzen halbnackt vor der Kamera. Jedoch beim genauen hinschauen erkennt man, dass das männliche Model anders posiert, als die Frau. Er scheint erfolgreich und stark zu sein. Wenn man jedoch das weibliche Model betrachtet, wird sie oft in eine untergeordnete Position inszeniert. Sie muss sich in Posen begeben, die zerbrechlich und schwach wirken.
Dieses Phänomen ist schon längst als Problem anerkannt worden. Besonders Feministinnen fordern das Frauenbild wieder zu bekleiden und die Nacktheit zu zensieren. Sie sehen sich als Opfer der Gesellschaft und versuchen das zu bekämpfen.

Mein Problem an der ganzen Angelegenheit ist, dass beim Versuch das Problem zu lösen, die Frau oft die geschädigte ist. Viele Lösungsansätze gehen in eine Richtung, in der die Frau zurückstecken muss.

Die Frau darf im Endeffekt keine Sexualität mehr ausleben. Denn wenn sie das macht, bedeutet es, dass sie zu freizügig ist und damit das Frauenbild schädigt.

Ich versuche mit der Arbeit, die ich anfertigen möchte, klarzustellen, dass der Mann auch zurückstecken muss. Das männliche Geschlecht muss Verantwortung tragen, da sie im Endeffekt das Geschlecht ist, das die Frau unterdrückt. Wenn das Männerbild seine anscheinende Stärke teilen würde, gäbe es dieses Problem nicht mehr.

Die erste Arbeit soll eine Videoinstallation werden, in der klar wird, dass sich die Frau ausleben darf und muss, weil sie das Anrecht hat dies zu machen. Zu sehen ist eine Projektion einer Frau die anzüglich tanzt. Begleitet von einer Audiospur, die die Lust der Frau in andere Bahnen lenkt und nicht verbietet.

Ich habe für die Installation ein Video von einer professionellen Gogotänzerin ausgewählt, die auf Youtube für Tanzstunden wirbt. Sie tanzt lasziv für die Kamera und wirbt damit für ihre Dienstleistung. Ich sah in dieser Frau, alles was ich gesucht habe. Ich wollte eine Frau darstellen, die aus freier Entscheidung zügellos mit ihrer Sexualität spielt. Sie tanzt Gogo, weil es ihr gefällt.
Die Audiospur stammt aus einem Porno, in der sich eine Frau befriedigt. Mir war es wichtig, dass es ein Amateurporno war, denn da könnte die Möglichkeit noch bestehen, dass es nicht zensiert ist und die Frau es macht, weil sie es will.
Zu hören ist das verzerrte Stöhnen der Frau. Ich hab es verzerrt und nicht zensiert. So hört man das eigentliche Stöhnen der Frau nicht, sondern nur das Ein- und Ausatmen. Die Deformation gibt ihm etwas von Musik und weist der Lust eine neue Funktion an.
Das Video der Frau habe ich verlangsamt, damit man sich ihrer Bewegungen bewusst wird und auf den Boden und Wand projekziert, damit es nicht wieder ein Abbild ist, sondern versucht plastischer zu wirken und somit greifbarer.