Am ersten Tag der
Zulassungsprüfung war ich auf der Suche nach der Männertoilette im
Erdgeschoss an der Angewandten. Ich hab zwei Toiletten gefunden. Die
Erste war als Frauentoilette und die Zweite gar nicht ausgeschildert.
Also bin ich auf die Nichtsausgeschilderte Toilette gegangen und
treffe dort auf eine Frau. Ich war peinlich berührt und hab mich
entschuldigt, dass ich nicht wusste, dass dies die Frauentoilette
sei. Die Frau lächelt mich an und meint, dass macht doch nichts,
wieso sollte das denn wichtig sein. Männer und Frauen sind doch
gleich, wieso sollte man dann bei dem Toilettengang unterscheiden.
Ich war sehr beeindruckt
von der Aussage der Frau und das Problem Geschlechterbilder ist an
mir hängen geblieben. Darum habe ich mich entschieden das Thema zu
bearbeiten.
Das Geschlechterbild von
Frau und Mann sind in unserer Gesellschaft sehr stark verankert. In
der Werbung ist dies eindeutig zu erkennen. Große Firmen engagieren
Models und lassen sie vor der Kamera posieren. Egal ob bei Mann oder
Frau – Nacktheit und Sexappeal verkaufen sich gut. Konzerne formen
die Frauen und Männer so, dass sie das Produkt gut verkaufen. Im
ersten Augenblick erkennt man in der Angelegenheit kein Unterschied
zwischen Mann und Frau. Beide sitzen halbnackt vor der Kamera. Jedoch
beim genauen hinschauen erkennt man, dass das männliche Model anders
posiert, als die Frau. Er scheint erfolgreich und stark zu sein. Wenn
man jedoch das weibliche Model betrachtet, wird sie oft in eine
untergeordnete Position inszeniert. Sie muss sich in Posen begeben,
die zerbrechlich und schwach wirken.
Dieses Phänomen ist
schon längst als Problem anerkannt worden. Besonders Feministinnen
fordern das Frauenbild wieder zu bekleiden und die Nacktheit zu
zensieren. Sie sehen sich als Opfer der Gesellschaft und versuchen
das zu bekämpfen.
Mein Problem an der
ganzen Angelegenheit ist, dass beim Versuch das Problem zu lösen,
die Frau oft die geschädigte ist. Viele Lösungsansätze gehen in
eine Richtung, in der die Frau zurückstecken muss.
Die Frau darf im
Endeffekt keine Sexualität mehr ausleben. Denn wenn sie das macht,
bedeutet es, dass sie zu freizügig ist und damit das Frauenbild
schädigt.
Ich versuche mit der Arbeit, die ich anfertigen möchte, klarzustellen, dass der Mann
auch zurückstecken muss. Das männliche Geschlecht muss
Verantwortung tragen, da sie im Endeffekt das Geschlecht ist, das die
Frau unterdrückt. Wenn das Männerbild seine anscheinende Stärke
teilen würde, gäbe es dieses Problem nicht mehr.
Die erste Arbeit soll
eine Videoinstallation werden, in der klar wird, dass sich die Frau
ausleben darf und muss, weil sie das Anrecht hat dies zu machen. Zu
sehen ist eine Projektion einer Frau die anzüglich tanzt. Begleitet
von einer Audiospur, die die Lust der Frau in andere Bahnen lenkt und
nicht verbietet.
Ich habe für die
Installation ein Video von einer professionellen Gogotänzerin
ausgewählt, die auf Youtube für Tanzstunden wirbt. Sie tanzt lasziv
für die Kamera und wirbt damit für ihre Dienstleistung. Ich sah in
dieser Frau, alles was ich gesucht habe. Ich wollte eine Frau
darstellen, die aus freier Entscheidung zügellos mit ihrer
Sexualität spielt. Sie tanzt Gogo, weil es ihr gefällt.
Die Audiospur stammt aus
einem Porno, in der sich eine Frau befriedigt. Mir war es wichtig,
dass es ein Amateurporno war, denn da könnte die Möglichkeit noch
bestehen, dass es nicht zensiert ist und die Frau es macht, weil sie
es will.
Zu hören ist das
verzerrte Stöhnen der Frau. Ich hab es verzerrt und nicht zensiert.
So hört man das eigentliche Stöhnen der Frau nicht, sondern nur das
Ein- und Ausatmen. Die Deformation gibt ihm etwas von Musik und weist
der Lust eine neue Funktion an.
Das Video der Frau habe
ich verlangsamt, damit man sich ihrer Bewegungen bewusst wird und auf
den Boden und Wand projekziert, damit es nicht wieder ein Abbild ist,
sondern versucht plastischer zu wirken und somit greifbarer.
